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Presseschau

01.09.2008, 858-2008 - Festschrift 1150 Jahre Selm, S. 49 - Geschichte des Stadtteils Cappenberg

Geschichte des Stadtteils Cappenberg 

 

Bei der historischen Betrachtung Cappenbergs ist zwischen dem Schloss und dem Ortsbereich, der ehemaligen Bauerschaft Übbenhagen zu unterscheiden.

Das Schloss liegt an der Schichtstufe der Cappenberger Höhen zur südlich gelegenen Lippeniederung. Geländeeinschnitte im Osten und Nordwesten trennen die ungefähr dreieckige Erhebung so von ihrer Umgebung ab, dass nur im Norden eine schmale ebenerdige Verbindung zum Höhenzug besteht. An dieser Stelle erhob sich seit den Tagen der Christianisierung Deutsch­lands die Burg von Cappenberg, die als ei­nzige Höhenburg des Münsterlandes eine Sonder­stellung einnahm. Ihr ältestes Zentrum lag offenbar in der Südostecke des Burgberges und wurde später durch andere Bauten überformt. Bei Bodenuntersuchungen in den Jahren 1940/41 und 1987 sowie Grabungen in der Kirche 1992/93 wurden das Fundament einer mächtigen Mauer und die Spur eines sehr starken Rundpfosten des Burgtors einer östlich gelegenen Kernburg entdeckt, die in die spätkarolingisch-ottonische Zeit zwischen 900 und 1025 zu datieren ist.

„Temporibus Ludgeri primi Episcopi Monasteriensis, & Caroli Magni Regis, inhabitabatur semper mons Kappenberg...“  Zu Zeiten Ludgers, des ersten Bischofs von Münster und des Königs Karls des Großen war der Berg Kappenberg immer bewohnt, so heißt es in einer Vita des Grafen Gottfried von Cappenberg aus dem 12. Jahrhundert. Legt man das Jahr 804 als Beginn von Ludgers Episkopat zugrunde, so muss man auf dieses Jahr die erste gesicherte Erwähnung Cappenbergs datieren. Frühester der Nachwelt be­kannter Besitzer Cappenbergs soll ein sächsi­scher Edelmann namens Ekbert gewesen sein. Zu seinen Nachkommen gehörten das sächsische Herzogs- und Königshau­s und bis zum Jahre 1122 elf Grafen aus den Familien der Liudolfinger, der Billunger und der Herzöge von Niederlothringen.

Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg beteiligten sich an den Kämpfen zwischen Kaiser und Papst in den Wirren des Investiturstreites. Sie nahmen im Februar 1121 an einem Kriegszug teil, um dem papsttreuen Bischof von Münster den Zugang zu seinem Bistum zu verschaffen. Am 7. Mai 1121 kam es zur Erstürmung der Stadt Münster, wobei der alte Dom ein Raub der Flammen wurde, was man Gottfried persönlich anlastete. Gegen alle Teilnehmer des Zuges wurde vom Kaiser Anklage wegen Hochverrats erhoben. Im November 1121 entwickelten die Grafen den Gedanken einer Schenkung des gesamten Cappenbergischen Besitzes an die im Entstehen begriffene Ordensgemeinschaft der Prämonstratenser und den Eintritt der gesamten Familie in den Orden. Am 31. Mai 1122 kam der Ordensgründer Norbert von Xanten nach Cappenberg, um dort aus der Hand Gottfrieds die Burg entgegen zu nehmen und zu einem Kloster einzurichten.

Zwischen 1122 und 1149 wurde die Kirche als romanische Pfeilerbasilika mit Querhaus errichtet. Nach 1385 erhielt sie durch einen umfassenden Umbau im gotischen Stil ihre heutige Gestalt. In den Jahren 1509 bis 1520 wurde das reich ausgeschmückte Chorgestühl gefertigt. Das Hochgrab des Stifters Gottfried von Cappenberg, steht im Südquerhaus der Vierung. Die Nähe der Cappenberger Grafen zum späteren Kaisergeschlecht der Staufer bezeugen der „Cappenberger Barbarossakopf“ und die „Taufschale Barbarossas“. Beides waren Geschenke des Kaisers Friedrich Barbarossa an seinen Taufpaten Otto von Cappenberg, die dieser dem Kloster vermachte. Das spätromanische Cappenberger Kruzifix aus der Zeit um 1225 hängt heute über dem Kreuzaltar zwischen Chor und Langhaus. Nur ein spätmittelalterlterlicher Altaraufsatz blieb in der Kirche erhalten, das gemalte Triptychon des Meisters von Cappenberg, Jan Baegert. Weitere Kunstwerke aus der Zeit der Romanik, Gotik und dem Barock tragen zur Ausschmückung der Kirche bei.

Umfassend verändert wurde die Anlage durch den Bau des dreiflügeligen barocken Stiftsgebäudes in den Jahren 1703 bis 1708, das durch einen Kranz von Gärten, Teichen und Alleen umgeben ist. Ab 1816 nahm der Freiherr vom Stein einige Umbauten vor und legte den Park mit den heute mächtigen Bäumen neu an.

Ab 1926 befand sich an der Nordseite des Ostflügels im ehemaligen Marstall ein evangelischer Betsaal. Ende der 90er Jahre wurde, um einen Anbau vergrößert, der Betsaal zu einem Theater umgestaltet.

Vom 15. bis 17. Jahrhundert ereignete sich in Cappenberg eine Reihe von Katastrophen. Angriffe von Raubrittern mussten durch die Stiftsherren zurückgeschlagen werden und Brände vernichteten Teile des Klosters. Im 16. Jahrhundert wurde Cappenberg in die Auseinandersetzungen zwischen den Niederlanden und Spanien hineingezogen. Besonders schweres Leid brachte auch der Dreißigjährige Krieg über Cappenberg.

Mit dem Ende der geistlichen Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ging am 21. Januar 1803 auch die Säkularisa­tion des Klosters Cappenberg einher. In der Kirche wurden nach Aufhebung des Klosters zwar weiterhin Gottesdienste gehalten, da sie jedoch keine Pfarrkirche war, unternahm der preußische Staat als neuer Eigentümer des Gebäudes keine Anstalten zum Unterhalt. Dies änderte sich erst, als der Freiherr vom Stein auf die Bedeutung des mittelalterlichen Bauwerkes hinwies und das Bestreben der Bevölkerung zur Einrichtung einer Pfarrei bei Innenministerium unterstützte. Durch Abpfarrungen wurden am 11. Mai 1832 Teile der Bauerschaften Netteberge, Nordlünen, Hassel, Langern und Übbenhagen durch Bischof Caspar Max von Münster zur neuen Pfarrei Cappenberg zusammengefasst.

Nachdem Cappenberg als Domäne seit 1803 dem preußischen Staat und dem Großherzogtum Berg gehört hatte, ging es mit Wirkung vom 1. Juli 1816 in das Eigentum des ehemaligen preußischen Staatsministers Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein über.

Stein erhielt Cappenberg im Tausch für die im damaligen Südpreußen an der Warthe gelegene Herrschaft Birnbaum, die er 1802 nach dem Verkauf verstreut liegender Besitzungen an Lahn, Rhein und Mosel erworben hatte. Nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften war der am 25. Oktober 1757 in Nassau an der Lahn geborene Stein in den preußischen Staatsdienst eingetreten, wo er bis zum Jahre 1804 zunächst Leiter des Bergwesens und später zum Leiter aller Verwaltungen in den Westprovinzen aufgestiegen war. Zwischen 1804 und 1808 bekleidete er das Amt des Finanzministers und des Leitenden Ministers. Nach der Niederlage Preußens gegen die Franzosen im Jahre 1807 begann eine der umfassendsten Staats- und Verwaltungsreformen in der Geschichte Preußens. Der Freiherr vom Stein gilt heute als der Begründer des Systems der kommunalen Selbstverwaltung in Deutschland. Die Zeit zwischen 1816 und seinem Tode im Jahre 1831 verbrachte er überwiegend in Cappenberg, von wo er die Gründung der Monumenta Germaniae Historica, die umfassendste Sammlung mittelalterlicher Quellen initiierte. Von 1826 bis 1830 stand er dem westfälischen Provinziallandtag als Marschall vor. Eine späte Ehrung fand Stein in Cappenberg in dem 1992 auf der Höhe des Weinberges errichteten modernen Denkmal, welches nach Abriss des dort seit 1897 befindlichen Kaiser-Wilhelm-Denkmals seinen Platz fand.

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren von großer wirt­schaftlicher Not der Menschen geprägt. Bedeutendstes Ereignis für die Hebung des Wirtschaftslebens in der Nähe Übbenhagens stellte 1841 die Gründung einer Brauerei durch die Gräfin von Kielmannsegge dar. Im gleichen Jahr ließ sie auf der Anhöhe des Weinberges eine Windmühle errichten. Die Brauerei, für Cappenberg und Umgebung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, musste 1917 ihren Betrieb einstellen.

Die im Südosten der Stadt Selm liegende ehemalige Bauerschaft Übbenhagen, die 1952 durch Beschluss des Borker Gemeinderats in Cappenberg umbenannt wurde, bildet den Kern des heutigen Stadtteils. Die ersten schriftlichen Erwähnungen Übbenhagens finden sich seit Beginn des 13. Jahrhunderts in Besitzübertragungsurkunden an das Kloster. Im Jahre 1803 bestand Übbenhagen aus 36 kleinbäuerlichen Anwesen, sogenannten Köttern und Brinksitzern. Einem dieser Höfe entstammte Heinrich Vieter, der spätere erste Bischof der deutschen Kolonie Kamerun. Neben einem Gasthof mit Brennerei und Holzhandel gab es um 1800 eine Schmiede sowie Handwerker für die Sicherung des täglichen Bedarfes. Zu dieser Zeit wurden im Ort auch eine Ziegelei und eine Sägemühle betrieben. Zu den Höfen gehörten meistens auch Backhäuser und Bleichkuhlen. Aus unterschiedlichen Aufzeichnungen lässt sich das Wachstum des Ortes belegen. Von 241 Einwohnern im Jahre 1770 stieg die Zahl bis 1863 auf 444 Einwohner in 72 Häusern. Es ist daher tragisch, dass im Sommer des Jahres 1873 in einem Zeitraum von 11 Wochen 43 Personen an einer Ruhrepidemie starben. Eine Besonderheit stellen die nur am Cappenberger Damm befindlichen Wegekreuze und Heiligenbilder dar. Seit Jahren und heute aktueller denn je ist die Diskussion um der Erhalt der Cappenberger Schule. Erstmals finden 1451 und 1528 Schulmeister eine urkundliche Erwähnung. Nach 1763 unterrichtete eine Marketenderin Kinder aus Hassel und Übbenhagen auf dem Hof Lünemann. Später versah ein Kriegsinvalide den Schuldienst. Propst Ferdinand von Berswort ließ 1790 vor dem Löwentor ein neues Schulhaus bauen und beauftragte den Küster und Organisten des Klosters mit dem Unterricht. Später wurde die Schule in das heutige Pfarrhaus und nach Aufhebung des Klosters in das frühere Waschhaus am Fuße des Cappenbergs verlegt. 1895 konnte schließlich auf dem Mergelland das heutige um An- und Umbauten veränderte Schulgebäude bezogen werden, das seit 1995 den Namen Freiherr vom Stein Grundschule Cappenberg trägt.

Erste Veränderungen erfuhr das ländlich geprägte Ortsbild mit dem Bau der Jugendstilvillen an der Borker Straße durch den Dortmunder Oberbürgermeister Schmieding und seine Schwiegersöhne Overbeck und Janssen sowie die Villa Bolte in der Baltimora in den Jahren 1906 bis 1910. Die Villa Overbeck ist das Elternhaus der Malerin Gerta Overbeck-Schenk, die eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Neuen Sachlichkeit ist und in Cappenberg einen großen Teil ihres Lebens verbrachte.

Seine bauliche Abrundung erfuhr der Ort durch die Baugebiete an der Rosenstraße, Baltimora, Sägeplatz und Kreutzkamps Wiese. Von 1815 bis gegen Ende der 1960er Jahre sorgte ein in Cappenberg lebender Polizist für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Bereits seit 1751 findet der Anschluss an einen regelmäßigen Postdienst nach Cappenberg Erwähnung. Obwohl schon für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Brandschutz mit einer Feuerspritze dokumentiert ist, erfolgte erst 1912 die offizielle Gründung der freiwilligen Feuerwehr in Cappenberg.

Nachdem der erste Weltkrieg in Cappenberg 51 Opfer gefordert hatte, sollte der Ort auch von den Unruhen der Folgezeit nicht verschont bleiben. Die zum Schutz vor Plünderern gegründete Bürgerwehr wurde in den Jahren 1919 bis 1921 mehrfach in die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Reichswehr und Spartakisten hineingezogen. Zwischen 1921 und 1924 stationierte man eine Hundert­schaft der Schutz­polizei und beschlagnahmte zu deren Unterbringung das Gebäude der Gaststätte „Cappen­be­rger Hof“. Die 20er Jahre verliefen in Cappenberg nicht anders als in den Nachbarorten. Die politische Lage entwickelte sich ähnlich. Eine Ortsgruppe der NSDAP hatte lange nicht be­standen. Es gab zunächst nur einen so genannten Stützpunkt. In den 30er Jahren wurden dann die Vereine des Ortes gleichgeschaltet und aufgelöst. Prägend war nun die SA. Im Gegensatz zu den umliegenden Ortschaften Lünen, Werne und Bork gab es keine ansässigen jüdischen Fami­li­en, die durch das national­so­zialistische Terrorregime hät­ten zu Schaden kommen können. 1939 etablierte sich im Schloss der Stab einer Flakbrigade. Um Cappenberg herum lagen an verschiedenen Stellen Scheinwerferbatterien. Durch Luftangriffe wurden 1939 und 1944 zwei Häuser beschädigt, eine Person getötet und eine weitere schwer verletzt. Am Karfreitag 1945 kam es zu einem letzten tragischen Zwischenfall während des Krieges. Von Norden vorrückende amerikanische Panzer beschossen am Löwentor einen entgegenkommenden PKW, wobei der Fahrer schwer verletzt und der Beifahrer getötet wurde. Danach erfolgte die kampflose Besetzung des Dorfes. Bei der Sprengung der im Kohusholz eingelagerten Munitionsbestände einer Luftwaffendivision kontaminierte herumfliegende Munition große Teile des Waldes. Als Folge des Krieges hatte das Dorf 68 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Im Jahr 2000 wurde ein von dem Künstler Thomas Ohm entworfenes Kriegerdenkmal auf dem Friedhof aufgestellt. An der Wand der Friedhofskapelle hat ein in den 1930er Jahren von einem niederrheinischen Bildhauer geschaffenes expressionistisches ehemaliges Grabdenkmal seinen Platz gefunden. Neben den einmaligen Kunstwer­ken und der schönen Natur hatten auch die historischen Gaststät­ten, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts sogar im deutschen Bäderbuch Erwähnung fanden, ihren Anteil an der Be­kannt­heit des ehemaligen Luftkur­or­tes Cappenberg.

Diese Tage sind lange vorbei. Die Namen Kreutzkamp, Cappenberger Hof, Schlossklause, Waldschmiede-Aschhoff und Waldfrieden gehören der Geschichte an.

Dr. Franz-Peter Kreutzkamp

Eintrag vom: 01.09.2008