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Presseschau

18.07.1970, Schützenverein Cappenberg - Festschrift zum Schützenfest 1970

Der 1. Weltkrieg und die Folgen der Revolution von 1918

Am 28. Juni 1914 wurde das österreichische Thronfolgerpaar bei einem Besuch der bosnischen Hauptstadt Sarajewo Opfer eines Attentats durch den serbischen Nationalisten Gavril Princip. Am 28. Juli 1914 erfolgte nach vergeblichen diplomatischen Bemühungen die politische Krise zu bewältigen, die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Aufgrund der bestehenden Bündnissysteme befand sich wenige Tage später ganz Europa im Kriegszustand. Deutschland stand an der Seite der Österreicher, während Rußland, England und Frankreich zu den Verbündeten Serbiens zählten. Nach der russischen Mobilmachung erklärte Deutschland den Krieg und marschierte in das neutrale Belgien ein, um einem Angriff der Franzosen auf das Ruhrgebiet aus dieser Richtung zuvorzukommen.Die Bevölkerung war von einem patriotischen Rausch ergriffen. Der Gemeindevorsteher von Bork, Aloys Schulze Wischeler, fuhr im Ponywägelchen, kutschiert von seinem Sohn Fritz, von Hof zu Hof, um die Mobilmachung zu verkünden und die Männer aufzurufen, sich bei ihren Armeeeinheiten zu melden. Bei den ersten Siegesnachrichten der deutschen Armeen erhielten die Kinder schulfrei. Man erfuhr jedoch nicht nur vom Vormarsch der Truppen, sondern bald kamen auch die ersten Verlustmeldungen. Schließlich erstarrten die Fronten zum Grabenkrieg, der entgegen aller anfänglichen Siegeserwartungen vier Jahre andauern sollte. Um dem durch die vielen Einberufungen zum Kriegsdienst eingetretenen Mangel an Arbeitskräften zu begegnen, wurden sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft Kriegsgefangene eingesetzt. Diese wurden in hierfür eigens eingerichteten Lagern untergebracht. Auch auf dem Steinkuhlenhof, bewirtschaftet von Schulze Wischeler, befand sich ein solches Lager. Von hier aus gingen die Gefangenen z. B. im Sommer 1917 zu 15 Höfen. Pro Mann waren 60 Pf. zu bezahlen. Das Lager stand unter militärischer Aufsicht. Wegen der vielen Felddiebstähle richtete die Gemeinde einen Flurschutz ein. Dieser bestand aus zwei Mann, die mit einem Revolver bewaffnet waren.Durch die Blockade der Alliierten bedingt, kam es im Winter 1917/18 zu großen Engpässen in der Lebensmittelversorgung, so daß vom “Steckrübenwinter” gesprochen wurden. Viele Menschen, geschwächt durch die mangelnde Ernährung fielen der Grippeepidemie zum Opfer.

Am 9. November 1918 brach die Revolution aus. Kaiser Wilhelm II. ging nach Holland ins Exil und der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger unterzeichnete am 11. November ein Waffenstillstandsabkommen. An diesem Tag marschierte eine große Gruppe von Sozialdemokraten mit einer roten Fahne nach Bork und besetzte das Amtshaus. Bis zum Mai 1919 wurde die Amtsverwaltung in Bork jetzt von einem Arbeiterrat kontrolliert. Die Ereignisse im November 1918 waren trotz der Abschaffung der Monarchie im Reich und in den Ländern nach aller historischen Erfahrung und im eigentlichen Sinne des Wortes keine Revolution. Das geht schon alleine aus dem Umstand hervor, daß schon die erste Regierung, nämlich der Rat der Volksbeauftragten, nicht rein sozialistisch war. Schließlich wirkte unmittelbar unter der neuen Regierung, die Kontinuität des wichtigsten Verwaltungsapparates wahrend, das alte konservative Beamtentum weiter. Ebert, Groener und Hindenburg strebten nach der Einordnung des heimkehrenden Heeres als einzigen Machtfaktor in die neue Staats- und Gesellschaftsform. Friedrich Ebert wurde zum Reichspräsidenten gewählt und das erste Reichskabinett, die „Weimarer Koalition“ aus SPD, DDP und ZENTRUM gebildet.

Während im Februar 1919 die Nationalversammlung in Weimar über eine neue Verfassung beriet, kam es in Mitteldeutschland, im Ruhrgebiet, in Hamburg, Bremen und in München zu kommunistischen Unruhen, die zeitweise den Bestand des Reiches gefährdeten. Andererseits wurde die neue Staatsform auch von vielen Konservativen, unter ihnen Offiziere und Soldaten des ehemaligen kaiserlichen Heeres abgelehnt.Nach Abklingen der ersten Unruhen hielt es die Gemeindevertretung im Spätsommer 1919 für sinnvoll, eine auf Freiwilligkeit basierende Bürgerwehr ins Leben zu rufen. Diese hatte in der ganzen Gemeinde eine Stärke von ca. 300 Mann und bestand aus den Abteilungen Bork und Cappenberg und sollte dem Schutz der Bürger und der Bauernhöfe vor stehlenden und plündernden Spartakisten dienen. Kommandeur dieser Truppe war der Brennereibesitzer Franz Kreutzkamp, der bis 1917 als Reservehauptmann beim 7. Westfälischen Feldartillerie-Regiment stationiert gewesen war. Als Leiter des militärischen Einsatzes amtierte der Schreiner Josef Röttger, der beim Infanterie-Regiment Nr. 13 gedient hatte und im Kriege wegen seiner hervorragenden Bewährung zum Offiziersstellvertreter aufgestiegen und mit dem EK I ausgezeichnet worden war. Heinrich Langkopf, ein wohlhabender Kaufmann aus Hannover, der kurz zuvor die stillgelegte Brauerei Cappenberg erworben hatte, führte die „Kriegskasse“ und bezahlte, da ihm das Kassieren von Mitgliederbeiträgen zu lästig war, den Bedarf an flüssiger und trockener Verpflegung zumeist aus eigener Tasche. Für Waffen, Munition und gestempelte Armbinden sorgte die Verwaltung. Es standen Karabiner, eine schweres und ein leichtes Maschinengewehr zur Verfügung. Durch regelmäßigen Streifendienst wurde bald erreicht, daß im Cappenberger Raum die nächtlichen Plünderungen aufhörten. Die Gründung der Bürgerwehr führte vor allem in Selm-Beifang zu Mißfallensäußerungen. Man schien zu glauben, daß es sich um konterrevolutionäre Bestrebungen handele. Eines Nachmittags rückte eine größere Anzahl bewaffneter Männer aus Selm in Bork ein und besetzte die Ortsausgänge. Hiervon unterrichtet, rückte die Cappenberger Bürgerwehr auf Kreutzkamps Kremser gänzlich unkriegsmäßig auf Bork vor. Als auf die Cappenberger geschossen wurde, feuerten diese zurück. Dabei wurde der Selmer Hermann Fischer tödlich getroffen. Seine Kameraden flohen in aller Eile. Für die Cappenberger Bürgerwehr blieb nichts anderes zu tun, als den erfolgreichen Feldzug zu feiern. Sie kam so in den Ruf ein gefährlicher Haufen zu sein.

Wolfgang Kapp, Generaldirektor der ostpreußischen Landschaft und Führer der reaktionären Vaterlandspartei, versuchte am 13. März 1920 die Reichsregierung zu stürzen. Unterstützt wurde er von höheren Politikern und Militärs. Aufständische Soldaten verschiedener Freikorps besetzten das Regierungsviertel in Berlin. Die Reichsregierung floh nach erst nach Dresden, dann nach Stuttgart und rief den Generalstreik aus. Nach vier Tagen brach der Putsch zusammen und die Anführer flohen ins Ausland. Im Gegensatz zu den kommunistischen Aufständischen des Jahres 1919, wurden die Teilnehmer des Kapp-Putsches nicht streng bestraft. Dies führte abermals zu einem Aufstand der Linken. Kernpunkte des Aufstandes waren in Mitteldeutschland das Gebiet Halle-Merseburg, das Vogtland und das Ruhrgebiet, mit dem Hauptquartier des Oberkommandierenden Josef Ernst in Hagen. „Chef des Stabes“ der dort agierenden „Roten Armee“ war ein Lehrer Stemmer. Der sozialdemokratische Reichswehrminister Noske suchte und fand Hilfe bei der Armee und den eigentlich illegalen Freikorps, die sich aus ehemaligen Offizieren und Studenten bildeten.

Kleinere Truppenteile wurden von den Linken an der Ruhr geschlagen und vollständig aufgerieben, so auch das Freikorps Lichtenschlag, dessen Formationen im Raum Dortmund/Herdecke/Wetter standen. Seine Vorräte an Waffen, Munition und Versorgungsgütern wurden eine willkommene Beute der Roten. Auf den Rathäusern der Städte Bochum, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen wehten rote Fahnen. Auch Lünen lag im roten Machtbereich. Von den Stadtverwaltungen wurden riesige Geldbeträge zur Besoldung der Rotarmisten erpreßt. Inzwischen hatte die Reichswehr jedoch, verstärkt durch entkommene Einheiten und studentische Freiwillige, das Industriegebiet umstellt. Im Nordabschnitt, der von Wesel bis Werne reichte, führte General von Watter, dessen Hauptquartier sich in Münster befand, das Kommando.

Die Regierung zögerte aber noch unter dem Einfluß ihrer SPD-Mitglieder, um Blutvergießen zu vermeiden, Truppen gegen die rebellierenden Genossen einzusetzen. Innenminister Severing versuchte vergeblich durch Verhandlungen und mit dem sogenannten „Bielefelder Abkomnen“ eine friedliche Lösung des Konfliktes herbeizuführen. Die Führer der Roten hatten ihre Leute jedoch nicht mehr in der Hand, so daß die Ausschreitungen weitergingen. Am 30. März 1920 forderte General von Watter mit Unterstützung der Regierung in einem Aufruf, der ohne Erfolg blieb, letztmalig die uneingeschränkte Anerkennung der Staatsautorität. Am Karsamstag, dem 3. April 1920, gab die Regierung die Erlaubnis zum Vormarsch auf ganzer Front.

Im Gefolge des Kapp-Putsches war nun Ende März 1920 die Rote Armee bis nach Lünen vorgestoßen, wo sie zunächst Halt machte. Doch dann hatte sie wohl Order bekommen, weiter ins Münsterland vorzurücken. So erschien den am Dienstag der Karwoche eine Abteilung der Roten Armee plötzlich und unerwartet auf Cappenberg. Von der Bürgerwehr waren nur zwei Mann auf Streife. In der kritischen Phase machten die beiden gerade Pause im Hause der Braut des einen, und als sie wieder herauskamen, fanden sie Cappenberg besetzt. Die rote Einheit war einigermaßen diszipliniert. Ihre Führer hatten politische Ziele und billigten die wilden Plünderungen nicht. Die Bürgerwehrleute versteckten ihre Waffen und sahen mit den Händen in den Taschen friedlich zu, wie die Spartakisten sich in Stärken von 100-120 Mann auf die Bauernhöfe verteilten, um Nachtquartier zu beziehen und sich vor allen Dingen satt zu essen. Von den Bauern wurden sie den Umständen gemäß gut aufgenommen und verpflegt. In einem Falle wurde ihnen sogar ein ganzes Schwein aufgetischt, das zufällig ohne Gewaltanwendung das Zeitliche gesegnet hatte. So verlebte Cappenberg trotz der „feindlichen“ Besatzung eine ruhige Nacht. Am Mittwochmorgen standen die Rotarmisten noch einige Stunden tatenlos und unschlüssig herum; dann rückten sie ebenso unerwartet, wie sie gekommen waren wieder ab.

Es ist anzunehmen, daß das Bekanntwerden des „Bielefelder Abkommens“ dies bewirkte, in dem die Lippe als vorläufige Demakrationslinie vorgesehen war. Unterdessen hatten die Truppen des Generals von Watter im südlichen Münsterland ihre Bereitschaftsstellungen bezogen. In unserem Raum lag der vorgeschobene Posten auf dem Hof Schulze Bliesing zwischen Südkirchen und Cappenberg. Cappenberg lag nach dem Abzug der Rotarmisten im Niemandsland. Die Bürgerwehr nahm daher ihren Streifendienst wieder auf.

Die Kunde von der erneuten Mobilisierung der Cappenberger erregte die Begehrlichkeit einer anderen, aus Mengede stammenden, roten Einheit, die die verhaßten Cappenberger ausheben und sich vor allem in den Besitz ihrer Waffen setzen wollte. Das wiederum war den Cappenbergern verraten worden und so gab es am Mittwoch und am Gründonnerstagmorgen für die Bürgerwehr Vollalarm. Doch zunächst geschah nichts. Aber dann, am Karfreitag, als der größte Teil der Bürgerschützen nach zwei durchwachten Nächten in Ruhe gegangen war, setzten die Roten zum Sturm an. Die Angreifer waren durch einen ortskundigen Verräter, der vorübergehend als Kutscher beschäftigt gewesen war, über alle Vorgänge im Dorf unterrichtet.Nur zwei kleine Gruppen von je 5 bis 6 Mann verteidigten Cappenberg vom Weinberg und vom Quinberg aus. Die Weinberg-Gruppe mit Josef Röttger, Theodor und Josef Dierse und Heinrich Heckenkamp hielt eine Zeitlang stand und brachte dem Gegner Verluste bei. Doch dann mußte sie sich vor der vielfachen Übermacht durch die Schrebergärten und den tiefen Graben längs der Allee zurückziehen. Einige von ihnen sahen noch, wie ihr damaliger Pfarrer Rohling, der wohl in seinem geliebten Obsthof beschäftigt gewesen war, sich ebenfalls mit fliegenden Rockschößen im Laufschritt in sein Pfarrhaus absetzte. Schlimmer erging es der Quinberg-Gruppe, die aus Heinrich Lettmann, Theodor Rötte, Hubert Dortmann, Josef Heuser und Josef Jücker bestand. Ein Teil der Rotarmisten hatte sich hinter der Tiergartenhecke und der Mauer längs der Varnhöveler Straße um das Schloß herum geschlichen und fiel der Quinberg-Gruppe in den Rücken. Ein Versuch der Männer, über die Schloßmauer und die Kegelbahn in den Schloßhof in das Schloß zu gelangen, erwies sich als zwecklos, weil auch der Schloßhof schon besetzt war. So mußten die Kämpfer sich, von allen Seiten umzingelt, ergeben. Die Gefangenen wurden, angeblich weil man sie mit Waffen angetroffen hatte, an der Stelle, wo sich früher das Osticker Drehtor befand, an die Mauer gestellt, um als Partisanen erschossen zu werden.Die Lage war bitterenst. Es wurden damals von beiden Seiten Greueltaten verübt. Als man jedoch den Kampfkommandanten herbeiholte, um den Befehl über die Exekution zu übernehmen, stutzte dieser plötzlich vor Heinrich Lettmann: „Mien Gott Henrich! Wat wilt se mit di maken?“ Zwei alte Kriegskameraden, die lange Zeit vor Verdun im Schützengraben gelegen hatten, hatten sich wiedererkannt. Wegen des unerwarteten Wiedererkennens wurde auf die Erschießung verzichtet.Aber der Kampf ging weiter, und die rote Streitmacht rückte entlang der Allee, die damals mit Obstbäumen bestanden war, in Richtung Kreutzkamp vor. Durch die Schießerei aufgeweckt, waren jetzt auch die in Ruhe befindlichen Bürgerwehrleute herbeigeeilt, um die Angreifer gebührend zu empfangen.. Aber zähneknirschend mußten Josef Röttger und seine Männer das Feuer einstellen, als sie sahen, daß die angreifenden Kommunisten die im Quinberg gefangen Kameraden mit erhobenen Händen als Schutzschilder vor sich hertrieben. Wild um sich feuernd kamen die Roten näher. Selbst auf Frauen und Kinder wurde geschossen. Da trat ihnen mutig Paul Aschhoff mit einem großen weißen Blatt Papier entgegen, auf dem man versprach und bat, das Feuer von beiden Seiten einzustellen. Nach der Kapitulation feierten die Roten ihren Sieg bei Kreutzkamp, mit dem Schnaps, den sie in der Brennerei erbeutet hatten.Die Gefangenen – Theodor Rötte hatte sich inzwischen in einem unbewachten Augenblick zwischen den Gebäuden verkrümelt – wurden mit einem Wagen des Gutshofes nach Lünen und in die Arrestzellen des alten Rathauses gebracht. Lettmann wurde schon gegen 10 Uhr von seinem roten Kriegskameraden heimlich befreit, die restlichen drei wurden während der Nacht wiederholt mißhandelt und verhört, weil man in den beiden damals 20jährigen, Jücker und Heuser, verkappte „Noskeschweine“ vermutete. In einer spektakulären nächtlichen Gerichtssitzung wurden die drei Cappenberger wiederum mit Erschießung bedroht.Doch auch in dieser Bedrängnis erschien wieder ein alter Bekannter als Retter in der Not. Unter den Roten befand sich ein jüngerer Funktionär, der bei Meister Dortmann vor dem Krieg das Schmiedehandwerk erlernt hatte. Er setzte sich für seinen früheren Lehrherrn ein und erreichte, daß alle drei in ihre Zellen abgeführt und für den Rest der Nacht nicht weiter belästigt wurden. Als am nächsten Morgen bekannt wurde, daß die Reichswehr im Anmarsch sei, entstand im Rathaus Nervosität und die Gefangenen wurden mit dem Versprechen, nicht mehr gegen das Proletariat zu kämpfen, um 9 Uhr entlassen.Schon während der Kämpfe am Nachmittag war telefonisch und durch Boten von der in Südkirchen stehenden Reichswehr Hilfe angefordert worden. Diese durfte aber ohne Befehl nicht eingreifen. Gegen Abend wurde von der Führung der Bürgerwehr nochmals Theodor Dierse mit der Bitte um Hilfe in Marsch gesetzt. Als man in wiederum abschlägig bescheiden mußte, kam ihm die rettende Idee: Er bat den wachhabenden Feldwebel, doch wenigstens ein Leuchtkugelsignal zu geben. So geschah es. Man gab ihm zwei Soldaten mit, die auf der Höhe bei Schemmann einige Leuchtkugeln abschossen. Da glaubten die Roten bei Kreutzkamp, die Reichswehr käme schon. Gegen 23 Uhr zogen sie sich daher schleunigst nach Lünen zurück. Hierbei gerieten sie noch in ein Feuergefecht mit der Bürgerwehr von Varnhövel, die –man auc um Hilfe angegangen hatte. Leider hatten die Varnhöveler dabei den Sohn des Gastwirts Heinrich Claas als Gefallenen zu beklagen.Cappenberg war somit schon vor Beginn des allgemeinen Vormarsches der Reichswehr in der Frühe des Karsamstages von der roten Invasion befreit.

Im Jahre 1871 wurde im ganzen Deutschen Reich die Mark als Einheit des Münzsystems eingeführt. Es gab Goldmünzen zu 10 und 20 Mark und Silbermünzen zu ½, 1, 2, 3 und 5 Mark. Die kleinen Scheidemünzen waren aus Nickel und Kupfer. Papier gab es nur für höhere Werte wie 100 und 1000 Mark. Der Wert der Mark war am Dollar orientiert und wurde mit 4,20 Mark berechnet. Diese Kurse hatten bis zum 1. Weltkrieg Bestand. Während des Krieges wurden die Gold und Silbermünzen durch Eisenstücke und Papiergeld ersetzt und der Wechsekurs der Mark verfiel. Am 15.11.1919 war der Dollar schon 40,70 Mark wert.Am 15.11.1920 kostete der Dollar schon 84 Mark und ein Jahr später 261 Mark.Nun setzte eine Geldscheinproduktion ein, die viele Druckereien Tag und Nacht beschäftigte. Die Scheine erhielten immer höhere Ziffern. Da der Mangel an kleinen Scheinen als Wechselgeld immer größer wurde, gingen manche Städte, Kreise und sogar Betriebe dazu über, für ihren Bereich Kleingeld, das sogenannte Notgeld, drucken zu lassen. Es gab auch Aluminiumgeld mit dem Bildnis des Freiherrn vom Stein.Von 1922 an verfiel der Wert des Geldes sprunghaft. Am 15.11.1922 stand der Kurs des Dollars bei 7515.

Nach dem politisch ruhigen Jahr 1922 wurden die Menschen Anfang Januar 1923 durch die Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen überrascht. Als Begründung für diese Maßnahme wurde angeführt, daß Deutschland sich mit den im Versailler Vertrag festgesetzten Kohlelieferungen im Rückstand befände. Die französischen Truppen rückten in Werne, Lünen und Bork bis zur Lippe vor und besetzten am 25. Januar 1923 auch den Lüner Bahnhof.  Die Straßen wurden abgesperrt und Paß- und Zollkontrollen durchgeführt. Bald blühte ein eifriger Warenschmuggel zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet. Die Reichsregierung rief zum passiven Widerstand auf. Die Beamten, die diesem Aufruf nachkamen, wurden ausgewiesen. So auch der Lüner Bürgermeister Bäcker. Arbeitern der Zechen wurde der Zutritt verwehrt, Betriebe aus dem Münsterland konnten im Ruhrgebiet ihren Aufträgen nicht mehr nachkommen.

Von diesen Maßnahmen wurden sicher auch die Baufirma Kortmann und viele Übbenhagener betroffen.Durch die Besetzung des Ruhrgebietes und dem Streik der Deutschen wurde die deutsche Wirtschaft und damit die Währung nun völlig zerrüttet.Am 06.08.1923 stand der Dollar bei 1650000 und am nächsten Tag bei 3300000 Papiermark. Dann ging es weiter in die Milliarden. Da die Druckereien mit der Produktion und der Auslieferung nicht mehr nachkamen, wurden die Scheine nun teilweise einfach mit einer höheren Wertziffer überdruckt und herausgegeben. Den Tiefstand erreichte die Geldentwertung am 15.11.1923, als der Dollar 4 Billionen und 200 Milliarden Papiermark kostete. In einem Währungsschnitt wurde über Nacht die Rentenmark eingeführt, die dem Wert von 1 Billion Papiermark entsprach. Durch Gesetz vom 30.08.1924 wurde sie durch die Reichsmark ersetzt, die auch bald wieder in Silbermünzen in Umlauf kam.Einen wesentlichen Beitrag zur Geldwertstabilisierung brachte auch Aufgabe des Ruhrkampfes und das Einlenken der Reichsregierung. Am 22. Oktober 1924 zogen die Franzosen daraufhin auch aus Lünen wieder ab.

In Folge der kommunistischen Aufstände im Ruhrgebiet wurde 1921 eine Hundert­schaft der Schutz­polizei auf Cappenberg statio­niert. Um diese unterzubrin­gen wurde das Gebäude des Cappen­be­rger Hofes beschlagnahmt. Nach Beendigung der bürgerkriegsartigen Unruhen blieben die Polizisten aber wegen des Einmarsches der Franzosen in Lünen weiter auf Cappenberg stationiert. Erst am 29. Oktober 1924 wurde das Gebäude beim Abzug der Polizei wieder geräumt.

Eintrag vom: 18.07.1970