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Presseschau

06.03.1954, Lüner Zeitung

Dreihundertjährige Schankstube erzählt: Cappenberger Kammerdiener begründete altes Geschlecht

Schnurgerade zieht sich die Pappelallee an zwei schildhaltenden Löwen vorbei von Schloß Cappenberg nach Nordwesten. Vor der Kreutzkamp`schen Brennerei und Gastwirschaft endet sie. Wer es nicht besser weiß, der sieht dem Fachwerk-Backsteinbau von außen bestimmt nicht an, daß hier den Gästen der Münsterländer Doppelkorn eigener Erzeugung in dem gleichen Raum eingeschenkt wird, wie im Jahre 1632, als die Übbenhagener Kolonen noch Leibeigene der Cappenberger Herrschaft waren, und der Friede von Osnabrück und Münster noch mehr als anderthalb Jahrzehnte auf sich warten ließ.

Seit 1708 sind die Kreutzkamps auf dem Anwesen, das durch die Heirat des Cappenbergischen Kammerdieners Konrad Krützkamp mit der Witwe Catharina Hügers an sie kam. Jeder Buchstabe sorgfältig und mit sichtbarer Mühe geschrieben, beginnt 1751 die Familien- Chronik. Genau gibt zu Beginn der Konrad Krützkamp an, was alles zu seinem Besitz gehört, und daß der „Brau und Fusel schon dabei gewesen ist“.

 

Die einzelnen Generationen der Kreutzkampschen Familie legten seit jeher großen Wert auf die Bewahrung der Zeugnisse ihrer Geschichte. Würde man sich die Zeit nehmen alle ihre oft nur mühselig zu entziffernden, in Schweinsleder gebundenen Handschriften durchzusehen - man hätte einen Durchschnitt durch das bäuerliche Wirtschaftsleben der Gemeinde Übbenhagen vor sich, denn viele der Eintragungen beziehen sich nicht nur auf das eigene Anwesen, sondern berichten auch von den Nachbarn. Da notiert einer der Hausväter „1792 Haben die Uppenhagener Bauerschaft sich ein schwatzes Totten wandt gekauft, wo jeder nach seinem standt was aus gethan hat“; es folgt nun eine Liste aller Inhaber von Hofstellen des Dorfes. Vater Kreutzkamp selber steuert zu diesem Totenkleid 15 Stüber bei, aber der knickrige Bauer Koch „ hat nicht geben wollen“. Wir erfahren hier auch die Viehpreise und wieviel Hühner jeder Bauer alljährlich der Kappenbergischen Herrschaft abliefern mußte, oder daß der Grundherr aus der Erbschaft seines Untertanen Kleider und silberne Knöpfe erhielt. Über den starken Hagelschlag vom 5. Mai 1800 berichtet die Chronik, und  „daß in diesem Jahr sehr viele Begebenheiten gewesen sein, allerhand Betrübnis, Kriech und Krankheiten“. Ein anderer Schreiber wiederum scheint viel Sinn für Heimatkunde gehabt zu haben, denn er gibt genau an, daß sein Haus 110 Meter hoch liege. Über eine Erbschaft schleppt sich wenige Zeit später ein Prozeß durch viele Jahre hin.

Bei jeder Heirat mußten die Besitzrechte gegenüber der Herrschaft erneuert werden; Johann Hennerich Kreutzkamp hatte bereits bei seiner Verlobung mit der Jungfer Catharina Schuldtin zu Alstedde am 19.9.1802 für den Hof samt dazugehörigen Knecht 100 Reichstaler zu bezahlen. Vier Monate später, am 18. Januar 1803, wurden die beiden von dem Herrn Probsten Ferdinand von Kleinsorgen kopuliert,  „und am 21 ten“, so fährt der Hochzeiter fort „wurde Cappenberg aufgehoben“. Die Säkularisation hatte ihre Hand danach ausgestreckt.
 
Es sitzt sich gut in der uralten Gaststube, die früher einmal Küche und Schankraum zugleich war. Doppelt so hoch ist sie, wie die anschließenden Räume. Eine Holztreppe mit einem alten braunem Geländer führt in das Obergeschoß, und von den Wandborden schimmert Zinngeschirr. Wohl schon länger als die Kreutzkamps die Eigentümer sind, steht vor dem großen, offenen Kamin ein runder Tisch auf dem Plattenfußboden. Eine in den feinkörnigen Sandstein gehauene Inschrift erzählt, daß hier Anno Domini 1794 Johann Dietrich Kreutzkamp und seine Ehefrau Maria Elisabeth Pelleringhoff zusammen wirtschafteten. Vier dicke, rauchdunkle Balken tragen die Decke des Raumes.

 

So gut wie unbeschädigt ist das Haus der Kreutzkamps die Jahrhunderte hindurch geblieben, von einzelnen Umbauten abgesehen. Die Familie, wohlhabend durch ihre Brau- und Brenngerechtigkeiten, konnte jedesmal die Ablösung an die Cappenberger Herrschaft zahlen, so daß der Stammsitz nicht in Gefahr geriet, in andere Hände zu kommen. Manches alte Familienstück hatte sich im Laufe der Jahre angesammelt. Um so betrüblicher war es, daß belgische Besatzungstruppen gerade die wertvollsten Stücke nach Kriegsende verschwinden ließen. Im Gastraum steht noch der braune schlanke Uhrenkasten. Aber die Uhr, die darin tickte, hängt wohl jetzt irgendwo zwischen Brüssel und Lüttich...

Eintrag vom: 06.03.1954