Herzlich willkommen bei
der Kreutzkamp's Spirituosen GmbH

350. Firmenjubiläum

Im Jahre 2004 feierte die Familie Kreutzkamp unter zahlreicher Beteiligung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihr 350. Firmenjubiläum. In einer Feier im Hotel Kreutzkamp auf Cappenberg blickten zahlreiche Geschäftspartner und Freunde des Hauses auf die Firmengeschichte zurück.

Im Laufe des Jahres wurden die verschiedenen Produkte der Firma im besonderen Angebotswochen vorgestellt.

 

Die Festrede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste aus Nah und Fern!

Meine Mutter und ich, wir begrüßen Sie ganz herzlich hier im Saal des Hotels Kreutzkamp zur Feier unseres Firmenjubiläums. Wir hoffen, daß Sie sich im Ambiente des Hauses wohl fühlen, um hier ein paar schöne Stunden mit uns zu verbringen. 350 Jahre Kreutzkamp`s Spirituosen, das ist ein Grund zu feiern. Welche Firma sieht sich schon in der Lage mit einer Produktpalette, in unserem Fall alkoholischen Getränken, einen solch langen Zeitraum am Markt zu bestehen?

Meine Vorfahren waren Bauern und auch Gastwirte, Schnapsbrenner, Bierbrauer, Müller, Bäcker und Kaufleute, die nebenbei mit so unterschiedlichen Dingen wie Baumstämmen und Kunstgewerbeartikeln Handel trieben.

Gestatten Sie mir daher, daß ich einen kurzen Blick in die Geschichte werfe und mit Ihnen die Jahrhunderte durchstreife. Einige Fakten kann ich Ihnen nicht ersparen und einige Anekdoten möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. In diesem Zusammenhang sei es mir auch erlaubt, einige Gäste besonders zu begrüßen. Man mag mir verzeihen, wenn ich hierbei nicht nach Grundsätzen des Protokolls oder des Freiherrn von Knigge vorgehe, sondern eine an der Firmengeschichte orientierte Reihenfolge wähle. Die Firmengeschichte beginnt allerdings schon vor dem Jahre 1654.

Im Jahre 1963 hätten meine Eltern und meine Großmutter z.B. das 500. Jubiläum des Hofes feiern können. Eine Urkunde aus dem Jahre 1463 erwähnt den Jennekens Kotten, so hießen Anwesen und Familie damals, in „Ein alt Register...von Geldpflicht und Hühner“. Stattdessen wurde ich geboren und man hatte andere Dinge im Kopf. Die Steuerliste des Bistums Münster aus den Jahren 1498/99 war ihnen damals vermutlich genauso unbekannt, wie unseren Nachbarn, deren Vorfahren dort Erwähnung finden. Wir freuen uns, daß unsere Notnachbarn Josef und Tina Benning, und Josef Reißing, sowie unsere Nachbarn Hedwig und Theo Kappenberg, Hedwig Benning sowie Heribert und Elfriede Grieseholt unserer Einladung gefolgt sind.

Das 16. Jahrhundert war firmengeschichtlich ereignislos, besser gesagt, wir wissen wenig darüber. Aus dieser Zeit ist aber bekannt, welche Abgaben unsere Vorfahren als Leibeigene des Klosters Cappenberg zu entrichten hatten. A propos: 1974 ist der Prämonstratenser Orden nach Cappenberg zurückgekehrt. Adresse wiederum Schloß Cappenberg – Pfarrhaus! Ich freue mich unseren Pfarrer, Herrn Altfried O.praem. begrüßen zu können.

Aus einer anderen Urkunde kann man erstmals auf den Bestand einer Gastwirtschaft schließen. Dort steht, daß Georg Schulze Altcappenberg seine Braut Margarthe Lünemann am 24. August 1652 auf Vermittlung meines Vorfahren, des Wirtes Johann Hügers vom Übbenhagen, heiraten konnte. Als deren Nachkommen begrüße ich meine Freunde Reinhold und Ulrike Schulze Altcappenberg in unserer Runde.

Vom gleichen Wirt stammt ein altes in Leder gebundenes Wirtschaftsbuch, das bis 1745 geführt wurde. Hier findet die Branntweinherstellung im Jahr 1654 erstmals Erwähnung. „Im Namen Gottes amen - Joannes Hüger de tenet 1654 “; so heißt es auf der Innenseite des Einbanddeckels, durch den der Bücherwurm Gänge genagt hat. Bierschulden der Gäste stehen in dem Büchlein, aber auch gezahlte Abgaben und Zehente. Eine weitere Urkunde vom 27. März 1666 bestätigt dem Johann Hüger erstmals in Schriftform das wertvollste Privileg, das der Familie bis zum Jahre 1809 Wohlstand einbrachte: Freiheit von „accise“ – Steuerfreiheit, etwas von dem jeder Gewerbetreibende heute mehr als nur träumen kann.

Seit der Hochzeit des Cappenbergischen Kammerdieners Conrad Kreutzkamp mit der Witwe Catharina Schulze Alstedde geborene Hüger am 9. Januar 1708 heißt das Anwesen Kreutzkamp. Jeder Buchstabe sorgfältig und mit sichtbarer Mühe geschrieben, beginnt 1751 die Familienchronik. Genau gibt zu Beginn der Sohn der gerade genannten an, was alles zu seinem Besitz gehört, und daß „Brau und Fusel bei der Heirat seiner Eltern schon dabei gewesen sind“. Bei Durchsicht der in Schweinsleder gebundenen Handschriften hat man einen Durchschnitt durch das bäuerliche Wirtschaftsleben der Gemeinde Übbenhagen vor sich, denn viele der Eintragungen beziehen sich nicht nur auf das eigene Anwesen, sondern berichten auch von der Familie und den Nachbarn. Ich möchte daher an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen und einige Gäste aus der weiteren Familie zu begrüßen. Ich begrüße Frau Hermine Hüser, ihr Mann Heinz war ein Nachkomme von Elisabeth Kreutzkamp geb. 1712. Herzlich freuen wir uns über die Anwesenheit von Norbert und Elisabeth Lünemann. Norberts Ahnfrau ist Anna Elisabeth Kreutzkamp geb. 1745. Die Reise nach Cappenberg haben Marianne Hirsch, Monika und Dr. Curt Rescher und Heinz-Leo und Anne Dahlkamp angetreten. Ihre Großmutter war Henriette Kreutzkamp geb. 1873. Weite Wege hatten heute auch mein Onkel und meine Kusine aus Aachen mit ihren Familien und die Eltern meiner Freundin aus Wolfsburg. Herzlich Willkommen!! Zu den ältesten und nächsten Freunden der Familie zählen Dorle Bläser und Dr. Wilhelm Potthoff. Wilhelm ist schon in den 20er Jahren mit meinem Vater zusammen zur Schule gegangen. 

Seit 1766 haben hier Johann Diedrich Kreutzkamp und seine Ehefrau Maria Elisabeth Schulze Pelleringhoff gewirtschaftet. In ihrer Herrschaft standen, ich zitiere: „Wirtschaft nebst Brandwein Zapfen ohne Accise zu zahlen“. Neben alten Möbeln, die sie der Familie vermacht haben, erinnert eine rege Bautätigkeit an diese beiden. Sie haben ein neues Backhaus errichtet, nachdem das alte abgebrannt war und ihre Initialen stehen im Herdfeuer ein paar Meter weiter. Die Brau- und Brennmeister der Jahre 1774 bis 1782 hießen Ostermann, Müermann, Niehues und Overmann. Unser letzter Brennmeister war Herr Lothar Loske. Lieber Lothar, Dir und Deiner Frau ein herzliches Willkommen! Eifrige Mitarbeiter in unserem Hause waren über viele Jahrzehnte Hans und Renate Weineck. Begrüßen möchte ich auch deren Tochter und Schwiegersohn Rita und Lothar Löwer. Herr Löwer ist heute meiner Mutter als Fahrer behilflich, wenn Sie Aurich und Umgebung mit Cappenberger Tröpfchen überschwemmt.

Am 24. September 1802 entrichteten Johann Henrich Kreutzkamp und seine Braut Anna Catharina Schulze Alstedde 200 Reichstaler an das Kloster Cappenberg, „um den Kotten und dessen Zubehörungen, so wie auch die anklebende Gerechtigkeit deralleinigen Bierbrau- und Branntweinbrennerei, ohne davon Accise zu bezahlen, fortsetzen zu können“. Im Verzeichnis der Branntweinbrennereien im Erbfürstenthum Münster steht die Brennerei Kreutzkamp 1804 unter Kreis Lüdinghausen, Kirchspiel Bork, Bauerschaft Übbenhagen verzeichnet. Das Betriebsrecht erstreckte sich auf die Monate Januar, Februar, März, April, Oktober, November und Dezember mit einer Branntweinmenge von 1 ½ Tonnen. Betriebsrechte für das Bierbrauen bestanden für die Monate Januar, März, April und Oktober mit einer Braumenge von 4 Tonnen. Das sind geringe Mengen für den lokalen Markt. Ganz andere Mengen wird demnächst die neue Brennerei der DKV in Lüdinghausen, deren Gesellschafter wir sind und bei der wir heute unseren Alkohol beziehen, ausstoßen. Ich freue mich über die Anwesenheit des DKV-Geschäftsführers, Herrn Meyer. Ohne Alkohol könnten wir nicht produzieren. Ohne eine abstimmte Kräutermischung, die wir dann nach alten Rezepten versüßen, ginge es aber auch nicht. Als Vertreter der Firma Vögele begrüße ich Herrn Blum und als unseren Zuckerlieferanten den Geschäftsführer der BBAG-Selm, Herrn Spinne.

Ich möchte nun einen Blick auf erste Verquickungen der Familie mit dem Cappenberger Vereinswesen werfen. Seit urdenklichen Zeiten stand in unserer Weide am Cappenberger Damm ein Spritzenhaus. Sein Alter kannte niemand mehr. In seinem Inneren stand eine ebenfalls sehr alte Handdruckspritze aus Kupfer gefertigt, die von Pferden mit den nötigen Gerätschaften zur Brandstelle gezogen wurde. Cappenberger Feuerwehrleute, die bei der Gründung der Wehr im Jahre 1912 mit dabei waren, schätzten ihr Alter auf mehr als 100 Jahre. Dieses erste Spritzenhaus war bis 1919 in Betrieb. Zur der Zeit, als mein Großvater Franz Kreutzkamp das Amt des 2. Brandmeisters bekleidete, berichtete die Lüner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 13. November 1912 von einem humorvollen Ereignis: „Cappenberg. Eine heitere Episode, die viel belacht wird, spielte sich letzten Sonntag hier ab. Gerade als der Gottesdienst zu Ende war, ertönte plötzlich ein Signal, das ganz nach Ton und Klangfarbe der hiesigen Feuerwehr zu gehören schien. Große Aufregung allerseits. Schon beginnt man die Pferde, die als Zugtiere des Löschzuges dienen sollen, anzuschirren, als sich herausstellt, daß man sich von dem harmlosen Ton der Hupe eines Automobils hat täuschen lassen. Über die Verlegenheit aller, half ein fröhlicher Umtrunk bei Kreutzkamp rasch hinweg.”

Kriegerische Aktivitäten entfalteten sich auf Cappenberg am 4. Juni 1815 – zwei Wochen vor der Schlacht von Waterloo. Ein Brief des „Bezirks-Commandanten von Bork an den Herrn Provinzial Capitain Kreutzkamp auf Uebenhagen“ befahl den Cappenberger Landsturm zur Wache gegen Napoleon. Trocken wird diese Wache nicht abgegangen sein. Denn trotz aller Härten der Lebensumstände der Menschen zu Beginn des 19 Jahrhunderts wußten unsere Vorfahren auch ausgelassen zu feiern. Chronist und Beteiligter vieler fröhlicher Runden im Gasthaus Kreutzkamp war Oberförster Poock. Im Jahre 1819 mußte er seinem Dienstherrn, dem Freiherrn vom Stein, morgens unter die Augen treten, nachdem er mit den Übbenhagenern „die Nacht am Kreutzkamp durchschwärmt hat, bis diesen morgen um 7 Uhr, wo wir alle betrunken zu Hause gegangen sind". 

Zahlreiche Karten, Akten und Baupläne geben über die Jahrhunderte Auskunft über den Gebäudebestand der Firma. 1822 werden z.B. im Verzeichnis der Häuser der Bauerschaft Übbenhagen, Wohnhaus mit Wirtschaft, Brennerei, Backhaus, Stallungen, Schuppen und Torhaus aufgeführt. Nach der von Geometer Empting aufgenommenen Urkatasterkarte stand die Brennerei an der Stelle, wo sich heute der blaue Salon befindet. Ab dem Jahre 1863 wurde neben dem Dorfkrug gebrannt. Dieser Gebäudekomplex stand aber auch noch gar nicht. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Archäologen ihre Freude hätten, wenn sie hier herum graben würden. Das letzte Brennereigebäude war bis 1976 in Betrieb und wurde 1979 abgerissen.

Am 2. August 1830 erzielte der Oberförster Poock beim Schützenfest den Königsschuß für seinen Dienstherrn. Über das anschließende Fest berichtete er: „... Die Teilnehmer an dem Fest haben recht oft Trinksprüche auf das Wohl und die Gesundheit des Königs ausgebracht und sein Gemählde bei Herrn Kreutzkamp mit schönen grünen Kränzen umwunden und behangen...“ Seit dieser Zeit pflegt die Familie ein enges Verhältnis zum Schützenwesen auf Cappenberg. Die Schützenfeste 1856, 1860, 1863, 1868 fanden sämtlich bei Kreutzkamp statt. Die Gastwirtswitwe Henriette Kreutzkamp beantragte am 4. August 1860 die Genehmigung zur Errichtung eines Scheibenstandes auf einem Grundstück, das bisher als Wiese genutzt wurde. Den Scheibenstand genehmigte man unter Sicherheitsauflagen. So sollten keine Trinkgelegenheiten vorhanden sein, vor allem durften keine geistigen Getränke während des Scheibenschießens gereicht werden. Wie diese „trockene Veranstaltung“ als Schützenfest ablief, ist dem Dunkel der Geschichte nicht mehr zu entreißen. Aus dem Jahr 1863 liegt ein Antrag der Bauerschaft Übbenhagen beim Amt Bork vor, ein Schützenfest bei Kreutzkamp zu feiern. Die Genehmigung wurde ausgesprochen, gleichzeitig dem „Herrn Gastwirth Kreutzkamp die polizeiliche Erlaubnis zur Veranstaltung der Tänzerei in ihrem Hause” erteilt. Herzlich willkommen heiße ich das Köngispaar des Cappenberger Schützenvereins Heinz I. Westermann und Margret I. Böhmer. Im Jahre 1953 wurde der Schützenverein in diesem Hause wiederbegründet. Vorangegangen waren Planungen im Heimatverein. Vorsitzender des Heimatvereins ist heute unser Nachbar Heino Janßen. Lieber Heino, liebe Liz, schön, daß Ihr heute hier seid. An dieser Stelle möchte ich auch alle persönlichen Freunde der Familie begrüßen, die aus Cappenberg und allen Teilen Deutschlands heute den Weg zu uns gefunden haben.

Günther Brügmann, heute mit 97 Jahren unser ältester Gast, berichtete mir aus seiner Dortmunder Verwandtschaft kolportierte Anekdoten über meinen Urgroßvater Engelbert Kreutzkamp: „...Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Cappenberg als Luftkurort ein bevorzugtes Ziel für Ausflüge der Dortmunder Kaufmannschaft. Häufig traf sich der vornehme Tennisclub Rot-Weiß aus Dortmund zu Festen bei Kreutzkamp. So wollte man einen Karnevalsball veranstalten. Im Rahmen der Vorbesprechungen für die Gestaltung des Festes fragte Engelbert Kreutzkamp, ob er sich als Wirt denn wohl auch verkleiden müsse. Hierauf erhielt er die Antwort: „Ziehen Sie sich man nur einen sauberen Kragen an, Herr Kreutzkamp, dann erkennt Sie kein Mensch wieder!“ Wer sich meines Vaters in seiner Arbeitsmontur mit Sandalen und Hosenträgern erinnert, wird hier ein paar dominante Gene wiedererkennen.

Über die Folgen des ersten Weltkrieges und bürgerkriegsähnliche Zustände ist in unserer Dorfchronik zu lesen: „...In der Osterwoche 1920 wurde Cappenberg dann von den Roten erobert. Im Gasthaus Kreutzkamp feierten diese ihren Sieg mit dem Schnaps, den sie sich in der Brennerei geplündert hatten.“

Am 30. April 1923 berichtete die Lüner Zeitung über die erstmalige Verpachtung des Hotels Kreutzkamp an Herrn Michael Leven, einen bekannten Lüner Bürger. Weitere Pächter waren um 1932 die Familie Reberg, ca. 1936 Christian König und bis 1960 Erich Düber. 1959 erwarb der Lüner Kaufmann Karl Ebrecht das Gebäude. Synonym für das Hotel Kreutzkamp in den folgenden 25 Jahren war der Name des Pächters „Hansi“ Schwarze. Liebe Familie Schwarze, wir freuen uns, daß Sie unserer Einladung zu dieser Feier gefolgt sind. Auf der 6. Gastwirtsmesse 1929 in der Westfalenhalle zu Dortmund verlieh der Provinzial-Wirte-Verband Westfalen der Brennerei Kreutzkamp eine goldene Medaille für die Spezialität: Reiner Münsterländer Doppelkorn. Das Brennrecht betrug zu diesem Zeitpunkt 74.148 Ltr. Weingeist.

Zu Beginn der 30er Jahre trafen sich auf Initiative Dr. Fritz Schulze Wischelers und Georg Kortmanns bei Kreutzkamp regelmäßig Studierende und Alte Herren des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen. Der Cappenberger CV bestand bis zum Verbot durch die Nazis. Ich freue mich daher hier auch meine Bundesbrüder der Katholischen Deutschen Studenten Verbindung Winfridia-Breslau zu Münster begrüßen zu können.

Am 6. März 1941 wurde mein Vater während seiner Kriegsteilnahme Betriebsinhaber. 1951 hat er nach umfassenden Renovierungs- und Umbaumaßnahmen in der Brennerei den Betrieb wieder aufgenommen. Nebenbei fand er noch Zeit bei der Einweihung des Cappenberger Fußballplatzes im Trikot des GSC aufzulaufen. Über die Anwesenheit der Vorstandsmitglieder Horst-Dieter Hartmann und Nicoll Leifheit freue ich mich sehr.

Unter dem Namen Hackenschußbar erlangte die Probierstube der Brennerei in den 60er Jahren einen berüchtigten Ruf. So manch ein nicht trinkfester Gast erwachte nach durchzechter Nacht im Schweinekoben, in der Runkelkiste oder auf dem Misthaufen. Dr. Fritz Schulze Wischeler dichtete hierzu:

„Solange der Trunk noch rein und klar

und das Wort noch echt und wahr

droht Dir keine Gefahr

in der Hackenschußbar!“

Zu dieser Zeit befanden sich der Mode folgend mehr als 40 Liköre mit so malerischen Namen wie Nikolatschka oder Cocktail de Paris auf der Produktpalette der Firma. 

Von der Brennerei lief ein ausgeklügeltes Leitungssystem zu großen Tanks über den Ställen. Dort verfütterte man die Brennrückstände, die Schlempe, an Kühe, Rinder und Schweine. Nebenbei wurden Enten, Hühner und Tauben von meiner Mutter gehegt und natürlich vermarktet.

Von 1973 bis 1987 erweiterte sie den anfänglich mit einer Theke begonnenen Hofladen für Wurst und Geflügel über Kunstgewerbe und Antiquitäten zunächst im alten Haus in der Borker Str. 2 und dann im neuen Pavillonanbau an der Villa. Im Keller unseres Hauses steht die Wiege Cappenberger Stutens. In dem alten Steinofen wurden täglich 40 Brote gebacken. Seit Ende der 80er Jahre beschränkt sich das Geschäft auf die Spirituosenherstellung. Neben Doppelkorn, Doppelwacholder und Genever gibt es Cappenberger Grün, Mocca-Likör, Glühwürmchen, Boonekamp, Cappenberger Zwetschgen Likör, Kreutzbauer und natürlich Cappenberger Tröpfchen. Seit dem letzten Jahr wird die Produktpalette wieder durch Pik Ass abgerundet.

Ich weiß nicht, ob Willi Kanne heimlich Cappenberger Tröpfchen in den Brottrunk  mischt oder Herr Zimmermann seine Schweißgeräte mit Cappenberger Tröpfchen betreibt. Sie gehören aber zu unseren ältesten Firmenkunden und wir freuen uns über Ihre Anwesenheit. Die IHK wird heute durch ihren stellvertretenden Geschäftsführer, Herrn Edgar Beckrer, repräsentiert. Mit Zahlen über unser Geschäft, Aktiva, Passiva und ähnlichen Dingen aus Geschäftsberichten möchte ich Sie nicht quälen. Hierunter leidet unser Steuerberater Herr Schulte schon hinreichend, wenn er mit dem Finanzamt Lüdinghausen zu tun hat. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen.

„In den Wipfeln hoher Buchen rauschts geheimnisvoll und leise, auf den waldumkränzten Höhen klingts in frohem Freundeskreise“ dichtete Dr. Fritz Schulze Wischeler im Cappenberger Heimatlied. Anliegen unseres Hauses ist die Pflege der örtlichen Tradition. Tradition im besten Sinne ist auch Bewahrung der Schöpfung, wie es pathetisch oder der natürlichen Recourcen unserer Umwelt, wie es wissenschaftlich heißt. Die Waldschule Cappenberg vermittelt Kindern und Jugendlichen ein Verständnis für das Leben in der Natur und des Waldes. Wir danken daher allen, die mit ihrer Spende die Arbeit der Waldschule Cappenberg unterstützen. Ich freue mich, Martina Schmidt-Jodin als Leiterin der Waldschule willkommen heißen zu können.

Begrüßen möchte ich auch das Ehepaar Wulfert. Vor 30 Jahren nahm Herr Wulfert als Beigeordneter der Gemeinde Bork an der Feier zum 50. Dienstjubiläum unserer Hauswirtschafterin Änne Dirkmann, die alle unter dem Namen Tante Änne kannten, teil. Bei diesem Fest erhielten alle Gäste einen Fingerhut voll Cognac. Hierbei handelte es sich um die letzte Flasche des riesigen Schnapslagers das die OT in den letzten Kriegstagen 1945 auf der Brauerei eingelagert hatte und aus dem sich ganz Cappenberg und Umgebung bedient hatten. Mit Herrn Wulfert war damals Bürgermeister Ferdi Spahn Gast in unserem Hause. Last but not least freue ich mich daher die Bürgermeisterin der Stadt Selm, Frau Coenen, mit ihrem Gatten Herrn Meermann begrüßen zu können. 

Ein Wort des Dankes zum Schluß. Während des Empfangs wurde der Raum von betrunkener Musik erfüllt. Ich hatte mir Musik zum Thema Alkohol gewünscht. Diesen Wunsch hat Monika Löchter am Klavier meisterhaft umgesetzt. Herzlichen Dank, dir liebe Monika.

Der Reigen durch die Gästeliste und die Firmengeschichte und ist nun geschlossen. Wir sind in der Moderne angekommen. Statt in alten Holzfässern und Tontöpfen werden unsere Liköre nun in Edelstahlkannen und Plastikfässern angerührt und abgefüllt. Durch unsere Internetseite sind unsere Produkte weltweit zu sehen und zu kaufen. Zwar wollen wir keine Filiale in New York eröffnen, aber die erste Bestellung haben wir schon nach Boston versand. Nebenbei sei zu erwähnen, daß der Klett-Schulbuch-Verlag im letzten Jahr unser Wacholderetikett zur Illustration seines Chemiebuches als Vorlage verwendet hat. Tradition und Moderne schließen sich nicht aus. Meine Mutter und ich, wir sind stolz auf unsere hochwertigen Produkte, die in unserer kleinen Manufaktur nach alten Rezepten hergestellt werden und würden uns freuen, wenn Sie alle uns als Nachbarn, Freunde und Kunden gewogen und erhalten bleiben.

Herzlichen Dank!

Dr. Franz-Peter Kreutzkamp