Geschichte

Schnurgerade zieht sich eine Eichen- und Lindenallee an zwei schildhaltenden Löwen vorbei vom Schloß Cappenberg nach Nordwesten. Vor dem Kreutzkamp`schen Anwesen endet sie. Wer es nicht besser weiß, der sieht der Bauhausvilla von außen nicht an, dass hier Spirituosen eigener Erzeugung angeboten werden.

Graf Gottfried III. von Cappenberg überließ im Jahre 1122 seine Burg Cappenberg und seinen umfangreichen Besitz in Westfalen, Hessen und Schwaben dem Prämonstratenserorden zur Einrichtung von Klöstern. In Cappenberg entstand das erste Kloster des Ordens auf deutschem Boden.

Bis zur Auflösung im Jahre 1803 erweiterte dieses seinen Grundbesitz auf ca. 9000 Morgen mit fast 250 abhängigen Bauernhöfen.

Einer dieser Höfe war Jennekens Kotten in der Bauerschaft Übbenhagen, dem heutigen Cappenberg, der in den Urkunden des Klosters Cappenberg erstmals 1463 erwähnt wird. Zu diesem Hof gehörte schon damals eine Gastwirtschaft. 1708 heiratete Konrad Kreutzkamp die Erbin des Hofes, Catharina Schulze Alstedde geb. Hüger. Seit dieser Zeit führt das Anwesen den Namen Kreutzkamp.

Konrad Kreutzkamp schrieb in seinem Tagebuch, daß "Brau und Fusel" bei seiner Heirat auf Cappenberg schon dabei gewesen seien. Nach anderen Aufzeichnungen bestand seit 1654 ein Brennrecht. Für Wirtschaft und Brennerei besaßen die Eigentümer eine verbriefte „Freiheit von Accise“, d. h. die Freiheit von lästigen Verbrauchssteuern. Bis zum Jahre 1803 wurde diese Steuerfreiheit von Generation zu Generation mit dem Recht der „Bier- und Branntweinbrauerei“ und dem Betrieb des „Branntweinzapfens“ von der Obrigkeit bestätigt.

Aus Wirtschaftsbüchern des 18. Jahrhunderts sind erstmals die Namen der angestellten Braumeister bekannt. Im Jahre 1794 scheint ein Feuer Teile der Wirtschaftsgebäude zerstört zu haben. Ein alter Eichenbalken erinnert mit  der Inschrift "Im Jahr 1794 den 5. Mertz warf mich eine unversehne Feuersbrunst ganz schnell darnieder, im selbigen Jahr den 3. Juni steh ich wieder" an diese Ereignisse. Das in der Folgezeit errichtete Brennereigebäude mit Ställen und Scheunen prägte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Bild des Anwesens. 

Nach der Übernahme des Münsterlandes durch die Preußen taucht die Brennerei Kreutzkamp 1804 erstmals in preußischen Brennereiverzeichnissen auf. Am 8. April 1819 bestand für die Brandweinbrennerei ein Betriebsrecht für die Monate Oktober bis April mit einer Brandweinmenge von 1 ½ Tonnen und für die Bierbrauerei ein Betriebsrecht für Januar, März, April und Oktober mit einer Braumenge von 4 Tonnen.

Auf der 1822 erstellten ersten Katasterkarte ist der Gebäudebestand mit der Brennerei verzeichnet.

Nach dem Königsschuss beim Schützenfest schrieb Oberförster Pock am 2. August 1830 an seinen Dienstherrn, den Freiherrn vom Stein, dass die Festteilnehmer das Gemälde des Freiherrn bei Kreutzkamp mit schönen grünen Kränzen umwunden und behangen hätten. In den Jahren 1842, 1856, 1860, 1863, 1868 und 1876 fanden die Cappenberger Schützenfeste dann ebenfalls bei Kreutzkamp statt.

Nach Auskunft des Westfalenlexikons für 1832 betrieb die Familie Kreutzkamp neben ihrem Kerngeschäft einen regen Holzhandel. Zu diesem Zweck wurden Waldparzellen gekauft und eine Wiese an der Lippe in Alstedde zur Verschiffung von Holzstämmen angepachtet.

Bis 1835 zog sich ein Streit Johann Heinrich Kreutzkamps mit den preußischen Finanzbehörden wegen der ersatzlosen Aufhebung des über Jahrhunderte bestehenden Privilegs der Accisefreiheit hin.

1886 errichtete Engelbert Kreutzkamp ein neues Kesselhaus am Mühlen- und Brennereigebäude. In diesem Gebäudekomplex bestand bis zum Beginn des 1. Weltkrieges auch eine Presshefefabrikation.

Steuerverzeichnisse des Jahres 1887 weisen einen Grundbesitz von 34 Hektar mit einem Brennrecht von 19.087 Liter Weingeist aus. Durch Zukäufe wurde das Brennrecht bis 1934 auf 74.148 Liter ausgeweitet.

In den Jahren 1914 bis 1917 erfolgte der Abriss des alten und der Wiederaufbau eines neuen dreigeschossigen Brennereigebäudes mit Kornmühle.
 
Lediglich das alte Kesselhaus fand weiterhin Verwendung. In der Brennerei wurde für den Maschinenantrieb eine Dampfmaschine errichtet, die bis in die 50er Jahre in Betrieb blieb. Das Brennereigebäude war durch ein weitläufiges Rohrleitungssystem mit den angrenzenden Rinder- und Schweineställen verbunden. Hier befanden sich große Tanks zur Aufnahme der bei der Produktion anfallenden Schlempe, die als hochenergetisches Viehfutter zum Einsatz kam.

Kreutzkamp`s Klare wurden bis weit in das Münsterland und das Ruhrgebiet in zahlreichen Gaststätten ausgeschänkt. Zur Lieferung diente ein eigener LKW. 1929 verlieh der Provinzial-Wirte-Verband Westfalen auf der 6. Gastwirtsmesse zu Dortmund der Brennerei Kreutzkamp für ihre damaligen Spezialitäten eine Goldmedaille. In der Werbung hieß es damals: "Kreutzkamp - führend seit Jahrhunderten!"
 
Das Unternehmen erlebte die Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte mit. Die Brennerei kam im Jahre 1934 für fast zwei Jahrzehnte zum Stillstand. Erst 1951 konnte Karl-Heinz Kreutzkamp den Brennbetrieb wieder aufnehmen. Zunächst bestand ein Brennrecht von 12.900 Liter Weingeist, das bis 1976 wieder auf 60.000 Liter ausgedehnt werden konnte. 
 
Im Jahre 1954 wurde das dreihundertjährige Bestehen des Betriebes gefeiert. In der Folgezeit führte der Strukturwandel der Landwirtschaft auch zu Umstrukturierungen des Kreutzkamp`schen Betriebes. 1959 erfolgte der Verkauf des alten Wirtschaftsgebäudes. Die Hoflage mitten im Ort wurde aufgegeben, der eigene Brennbetrieb 1976 eingestellt und die Hof- und Brennereigebäude abgerissen.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Probierstube geschlossen, über die ein Dichter die Worte geprägt hatte:

"Solange der Trunk noch rein und klar
und das Wort noch echt und wahr
droht Dir keine Gefahr
in der Hackenschußbar!"

Bereits 1972 hatte Maria Kreutzkamp einen Hofladen für die weiteren Produkte des Betriebes eröffnet. 1976 wurde eigens ein neues Gebäude für den Verkauf errichtet. Neben der Palette an Kräutern, Klaren und Likören konnten im eigenen Backofen hergestellter Stuten, Butter, Eier, Schinken und Würste erstanden werden. Später erfuhr das Warenangebot seine Abrundung durch Antiquitäten und Kunstgewerbeartikel.

Schon in den 50er Jahren hatte es eine große Auswahl von Likören gegeben. Raubritter, Cappenberger Grün und Glühwürmchen wurden kreiert. Nach der jeweiligen Mode gab es nun kurzlebige Produkte, die dem Zeitgeist entsprachen. Dieser Tradition ist das Haus Kreutzkamp bis heute treu geblieben. In den 90er Jahren wurde der Cappenberger Zwetschgen Likör der Produktpalette hinzugefügt und auf vielfachen Kundenwunsch 2004 Pik Ass wieder in das Sortiment aufgenommen. 2007 entstand Kreutzkamp`s Cranberry Likör. In den Jahren 2009 und 2010 kehrten Kirsch mit Rum und und der Orangen Likör zurück. 2013 folgten Apricot Brandy und Kräuterwacholder. Das bekannteste Produkt der Firma ist heute Kreutzkamp`s Cappenberger Tröpfchen.

Seit dem Jahr 2000 können Kreutzkamp`s Brände und Liköre auch über das Internet bezogen werden. Kreutzkamp`s Spirituosen sind auf dem Weihnachtsmarkt am Schloss Cappenberg vertreten. Besondere Unterstützung finden Activities des Lions Clubs und die naturpädagogische Arbeit der Waldschule Cappenberg. Gesponsort werden aber auch die Cappenberger Feuerwehr, Heimspielplakate des Sportvereins Grün-Schwarz Cappenberg sowie öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Oldtimer-Treffen oder der Ironscout der Pfadfinder Selm.

Im Jahre 2004 feierte die Familie Kreutzkamp unter zahlreicher Beteiligung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das 350. Firmenjubiläum.

Nach der Umwandlung der Firma in eine Kapitalgesellschaft, trat mit Dr. Franz-Peter Kreutzkamp zum 1. Juli 2006 ein Mitglied der 16. Generation in die Geschäftsführung ein. Im Oktober 2009 wurden Produktion und Verkauf wieder in das 1976 errichtete Firmengebäude verlegt.